Tanztexte

Ganz, ganz viele schlechte Träume

Ganz, ganz viele schlechte Träume Das Tanztheater Wuppertal schlägt mit „Schlafende Frau“ ein gewaltiges Bilderbuch auf, das einfach zu viel will Filmbesprechung von Rico Stehfest Es beginnt wie ein Film. Da schläft im Prolog eine Frau auf einer Liege, dem...

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Kunst, Geschlecht und Leben hinterfragen Ein ebenso diverses, wie begabtes und mutiges Ensemble zeigt, was es heißt, Performer zu sein – und zwar aus männlicher Sicht. Einer kämpft, einer wackelt mit der Hüfte, einer versucht es mit klassischer Leichtigkeit, einer mit bizarren Körperbildern, einer mit akrobatischen Sprüngen und einer schnattert und schnattert (wie man es gendertypisch nur Mädchen zusprechen möchte). Andere heben und tragen sich gegenseitig, wie es im Ballett meist nur zwischen Männern und Frauen üblich ist. Klischees wirken hier nie klischeehaft, sondern eher wie Versuchsfelder dieses Lebens. Wie Fische ohne Wasser zeigen sich diese Schwimmbadbesucher auch immer wieder nackt und verletzlich. So tanzt plötzlich einer wie ein wildgewordener alter Zwerg im bunt zuckenden Flashlight. Die Zunge, ein aufgesteckter Gummipenis, ist lang herausgestreckt, wie in der archaischen Drohgebärde der männlichen, neuseeländischen Ureinwohner. Dann wechselt das Bild in ein Duo aus schwarzer und weißer Haut, das sich beinahe zeitlupenartig mit- und umeinander bewegt, dabei immer neue poetische und erotische Bilder wie Skulpturen erschafft. So lösen sich die Grenzen von Schwarz und Weiß, von Geschlechtern und allen anderen Zuschreibungen auf sehr berührende Weise auf. Immer wieder fragt „(Little) Mr. Sunshine“ nach der Sinnhaftigkeit von Kunst überhaupt, die sich in der Pandemiezeit viele von innen und außen gestellt haben. Doch erhebt sich diese Thematik hier in die darüber hinausragenden Sinnfragen des Lebens. In der Suche nach Antworten, lassen die sechs Männer (Aaron Samuel Davis, Gabrio Gabrielli, Máté Mészáros, Marcus Alexander Roydes, Karl Rummel und Andor Rusu) regelrecht „die Hosen herunter“ und auch dieses Bild wird zum Ende des Abends mit Humor in einer Gruppenchoreografie aufgenommen. Euphorischer Applaus vom Premierenpublikum für einen inhaltlich wie künstlerisch reichen und bewegenden Abend in einem ausverkauften Haus.
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WAS MÄNNER KÖNNEN…

Was Männer können ...
Samir Akika/Unusual Symptom: (Little) Mr. Sunshine
Tanz  Premiere: 15.10.2021 (UA)   Theater: Theater Bremen
Regie: Samir Akika   Foto: Jörg Landsberg 

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