une minute de danse 2 screenshot©Nadia Vadori-Gauthier

Une Minute de Danse par Jour N°13 – In der rue Mouffetard

Autor|in: Thomas Hahn
Veröffentlichung: 28. April 2020

Eine Minute Tanz pro Tag

Ob mitten in einer Demonstration, mit Bauarbeitern, in einer Bäckerei oder in der eigenen Küche: Nadia Vadori-Gauthier filmt ihren Tanz. Täglich. Schon über 1.900 Mal, wo immer sie gerade ist. Meistens in Paris. Wie durchlebt ein solches Projekt die Zeiten von Covid-19 und Social Distancing?

Une minute de danse par jour : Jeden Tag eine Minute tanzen. Nadia Vadori-Gauthier praktiziert das schon seit dem 14. Januar 2015. Täglich landet ein Video im Internet, gepaart mit einem kurzen Text. Auslöser ihrer Pop-up-Auftritte in Stadt und Land war der Schock der Attentate im Januar 2015, als islamistische Fundamentalisten im 11. Arrondissement von Paris die Redaktion der satirischen Wochenzeitschrift Charlie Hebdo dezimierten. Die Veränderung des Klimas war sofort spürbar. Seitdem tanzt Vadori-Gauthier draußen oder drinnen, allein, mit Gefährten oder mit Passanten. Es ist eine sanfte, ständige Demonstration für weniger Härte, weniger Abgrenzung. Vor allem steht ihr Projekt unter Nietzsches bzw. Zarathustras Stern: „Verloren sei uns der Tag, wo nicht ein Mal getanzt wurde!“, heißt es in „Also sprach Zarathustra“.  Aus dem Grauen des Terrors zog sie die Kraft, eine neue Phase ihres Lebens als Künstlerin zu beginnen.

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In der rue Mouffetard

Am 17. März konnte sie zum letzten Mal ein Bad in der Menge nehmen. Doch die Menschen zeigten sich bereits äußerst teilnahmslos. Sie hatten Wichtigeres zu tun, als einer skurrilen Tänzerin zuzuschauen. Es galt, schnell noch die wichtigsten Einkäufe zu tätigen. Denn um 12 Uhr traten die Ausgangsbeschränkungen in Kraft. Was danach kommen würde, vermochte da noch niemand sich recht auszumalen. Einige Personen trugen bereits Atemschutzmasken, andere benutzten ihre Schals. Und Nadia tat es ihnen nach, fast wie ein Clown der Menschen hinterherläuft und ihre Bewegungen imitiert.

Es war ihr Tanz Nr. 1890, in der romantischen rue Mouffetard, wo im Sommer Pariser wie Touristen in den Cafés sitzen. Eine Straße, die Frankreichs Staatspräsident in schlechter Erinnerung behalten wird, denn hier wurde sein Spezi und Sicherheitschef, der zwielichtige Alexandre Benalla, gefilmt als er Demonstranten etwas brutal „unter die Arme griff“. Von da an begann Macrons Stern zu sinken….