PHILOSOPHIE

Mitreißender Tanzjournalismus ist eine Meisterleistung: Es ist ein Denken in Bewegung. Im deutschsprachigen Raum wird dieses Handwerk seit einem Jahrhundert gepflegt und gewürdigt.

Seit den 1980er-Jahren hat sich die Kunstform Tanz in Europa bemerkenswert rasant entwickelt und in unzählige Stilrichtungen verästelt. Nur ein spezialisierter Journalismus kann sie überblicken. Zugleich sinkt der Anteil der kritischen Tanzberichterstattung in den Medien, trotz gewachsenen Publikumszuspruchs. Denn die Neugierde auf Tanz ist in den vergangenen Jahren gewachsen, zumal ihm häufig eine besondere zeitgenössische Dringlichkeit und Weltläufigkeit eigen ist.

Von diesem Boom profitieren allerdings diejenigen immer weniger, die das Wissen um den Tanz verbreiten. Dabei ist die Fähigkeit, unterhaltsam und informiert über Tanz zu berichten, beinahe selbst eine Kunst. Das Tanzereignis lebt vor allem im Moment der Aufführung. Im digitalen Zeitalter erinnert wenig so sehr an unsere körperliche Existenz. Das reflektierte Aufzeichnen und die lebendige Weitergabe dieser Kunst ist dabei ein ebenso schützenswertes Kulturgut wie der Tanz selbst.

Der Verein Tanz.media e. v. wirbt um den kritischen Respekt gegenüber den Kunstformen Tanz und Performance, die sich gerade durch die Abwesenheit von klaren Deutungsmustern auszeichnen. Sie verdienen deshalb besonderen Schutz – gerade in Zeiten, in denen vereinfachende Polarisierungen entstehen und eine differenzierte Meinungsvielfalt ausdrücklich zu stärken ist.

Neue Formate, die auf ein verändertes Medienverhalten reagieren, sind ausdrücklich zu fördern. Dabei steht der für eine Demokratie wichtige Aspekt einer mutigen und fairen Kritik im Mittelpunkt – als Ansatzpunkt für eine gesellschaftliche Diskussion.